Ich bin in einer politischen Partei/Jugendorganisation, darf ich trotzdem mitmachen?
Grundsätzlich sehr gerne. Wenn du dich aber bereits in einer Partei oder deren Jugendorganisation engagierst, finden wir das total gut, und du solltest lieber das weitermachen. Schließlich soll unser Projekt die deutsche parlamentarische Demokratie stärken, deswegen macht es keinen Sinn, wenn wir dafür den Parteien die Leute abziehen. Vielen Dank für dein Engagement!
Seid ihr gegen die AfD?
Da wir uns als parteipolitisch neutral verstehen, richtet sich unser Projekt grundsätzlich nicht gegen die AfD. Unsere Ziele politischer Aufklärung und gesellschaftlichen Brückenbaus sollen die deutsche Demokratie als solche stärken und sollten deshalb grundsätzlich von allen Parteien begrüßt werden.
Wollt ihr nicht doch anderen nur eure Meinung aufdrücken?
Nein, wollen wir nicht. Wir sind sowohl bereit, im Gespräch allen Denkrichtungen zuzuhören, als auch Gesprächsführende aus allen politischen Spektren in unser Team aufzunehmen, sofern diese sich in unserem Leitbild wiederfinden.
Bringt eure Aktion denn irgendwas?
Gute Frage. Unsere Aktion soll kein „Zeichen setzen“ oder so, sondern Einfluss nehmen und etwas bewirken. Was wir dir aber sagen können, ist, dass Flyern, Internetpolitik und ähnliches politisch wenig bringt, und dass persönliche Gespräche an der Haustür das beste Mittel darstellt, Leute an die Urne zu bringen. Die Studie ist auf die USA bezogen, ist aber auch für Europa interessant. Den Artikel findest du hier.

Um unseren Erfolg zu messen, werden wir auswerten, wie erfolgreich wir darin sind, das Gespräch zu suchen, indem wir uns ansehen wie viele von den uns angesprochenen Menschen sich auf ein Gespräch mit uns einlassen. Dazu wollen wir eine qualitative Auswertung der geführten Gespräche durchführen, um einen Eindruck davon zu bekommen, ob tatsächlich etwas bewirkt wurde.

Außerdem haben wir uns die Zahlen für die letzte Bundestagswahl sowie der Landtagswahlen angesehen, um zu sehen, wie hoch die Wahlbeteiligung sowie der Stimmanteil für populistische Parteien war. Diese Zahlen können wir dann mit denen der Bundestagswahl 2017 vergleichen. Das ist zugegebenermaßen keine hinreichende Methode, um unseren Wirkungsgrad zu messen. Aber es ist besser als nichts. Wenn du bessere Ideen hast, schreib uns!

Gibt es andere, ähnliche Aktionen auch?

Klar! Die hier finden wir besonders gut:

  •  De Beweging ist eine niederländische Gruppe, die eine Millionen Gespräche über die Zukunft des Landes führen wollen.
  •  DEMO, eine Art Jugendbewegung, setzt sich für Demokratiebeteiligung von jungen Menschen ein, und will dafür Schulbesuche, Podiumsdiskussionen, Stammtischgespräche und öffentliche Aktionen durchführen.
  • Der Bus der Begegnungen tourt zur Wahl durch Deutschland, um über Demokratie zu reden. Finden wir großartig!
  • Das Wahlmobil 2017 versucht, mit einem breiten Angebot an politischer Bildung die Wahlbeteiligung wieder nach oben zu tragen. Schaut mal vorbei!
  • Die Süddeutsche Zeitung hat ein Democracy Lab gestartet, auf der sich über die wichtigsten Themen zur Bundestagswahl unterhalten werden soll.
Ist an der Haustür klingeln nicht seltsam?

In unserem Projekt wollen wir tatsächlich zu den Leuten an die Haustür gehen, und Grundsatzgespräche über Werte und Gesellschaft führen. Das ist in Deutschland wenig verbreitet, und nicht das, wie politische Bildungsaktionen üblicherweise vorgehen. Etwas misstrauisch zu sein ist daher natürlich verständlich.

Allerdings haben wir unsere Methoden in mehreren Vorbereitungstreffen und Probeaktionen getestet, und überwiegenderweise sind die Menschen froh, dass sich jemand Zeit für sie nimmt, und offen zuhört. Wir haben bereits 152 Menschen angesprochen, und 72 davon haben sich auf ein intensives Gespräch mit uns eingelassen.

Außerdem zeigen Untersuchungen, dass Gespräche an der Haustür gut ankommen und angenommen werden. Bei einer Umfrage durch YouGov gab über ein Drittel der Befragten an, dass sie sich grundsätzlich mit einem Haustürwahlkämpfer unterhalten würden.

Im aktiven Wahlkampf sah das Ganze noch besser aus. Zwar hatten nur rund 9% aller Befragten Kontakt zu Haustürwahlkämpfer/innen, allerdings haben fast die Hälfte (46%) sich dann auch auf ein Gespräch eingelassen.

Das zeigt, dass Gespräche an der Haustür effektiv sind und angenommen werden, aber in Deutschland noch sehr wenig verbreitet sind.

Hinzu kommt, dass diese Haustürgespräche von Parteien durchgeführt wurden. Wir hingegen sind parteipolitisch neutral. Wir haben Grund zur Annahme, dass dadurch, dass wir keinen bestimmten Standpunkt verkaufen wollen, die Gesprächsbereitschaft an der Haustür um einiges höher ist.

Sowohl unsere eigenen Erfahrungen als auch unabhängige Untersuchungen zeigen, dass unsere Methoden und Konzepte angenommen werden, und wir glauben daher, dass es die Mühe Wert ist, an die Haustür zu gehen und zu diskutieren – selbst wenn es erstmal seltsam erscheint.

Warum fahrt ihr dafür nach Sachsen-Anhalt?

In unserem Projekt fokussieren wir uns auf einen Wahlkreis mit sehr niedriger Wahlbeteiligung und hohem Stimmanteil für populistische Parteien. Wir legen uns auf einen Wahlkeis fest, damit wir unsere Methoden und unseren Erfolg anhand von Datenabgleichen mit ähnlich strukturierten Wahlkreisen auswerten können. Im Wahlkreis 71, Anhalt, lag die Wahlbeteiligung bei sowohl Bundestagswahl 2013 als auch bei der Landtagswahl 2016 unter 60%. Gleichzeitig erhielt die Alternative für Deutschland bei der Landtagswahl 2016 ein sehr hohes Ergebnis:

Im Vergleich lag die Wahlbeteiligung zur Bundestagswahl 2013 in München bei 71,2%, in Berlin bei 72,5%, in Hamburg bei 70,3% und in Stuttgart bei 76,7%. Unser Projekt ist daher notwendiger in Sachsen-Anhalt als in Großstädten mit tendenziell hoher Wahlbeteiligung.

Hinzukommt, dass es in den Ballungsräumen bereits zahlreiche Initiativen zur politischen Bildung gibt. Sachsen-Anhalt ist weder ein Ballungsraum, noch ein „Brandgebiet“ mit medialem Fokus. Deswegen führen wir unser Projekt in Anhalt durch.