Was ist bei unserem Projekt herausgekommen?

Vom 01. – 10. September 2017 waren wir mit über 40 MitmacherInnen im Wahlkreis Anhalt (71) unterwegs und haben dort Grundsatzgespräche über Werte und Politik geführt. Ziel unserer Gespräche war und ist es, den Zusammenhang von Alltag und Politik und der eigenen demokratischen Stimme hervorzuheben. Wir habe die Ergebnisse und unsere Erfahrungen vor Ort zusammengefasst und in drei Teile geteilt:

„Die Bundestagswahl in Anhalt“ gibt einen Überblick über den Wahlkreis, die Wahlbeteiligung und die Entwicklung im Vergleich zu anderen Wahlkreisen.

„Werte und Ideale: Was denkt Anhalt?“  fasst unsere Erfahrungen und Erlebnisse vor Ort und unsere Eindrücke von unseren GesprächspartnerInnen zusammen.

„Wie geht es weiter?“ enthält unsere Erkenntnisse und unser Fazit, welches wir an unsere lokalen Kooperationspartner weitergeben wollen.

Hier ist der erste Teil. Viel Spaß beim Schmökern!

 

Der Wahlkreis

Der Wahlkreis Anhalt (71) umfasst den Landkreis Anhalt-Bitterfeld und Teile des Salzlandkreises. 

Wir haben die Städte und Gemeinden Bernburg (Saale), Bitterfeld-Wolfen, Güsten, Ilberstedt, Könnern, Köthen, Nienburg (Saale), Staßfurt und Zerbst besucht.

Gesprächsstatistik

Während unseres 10-tägigen Einsatzes im Wahlkreis Anhalt haben wir viele Gespräche geführt. Wir sprachen mit WählerInnen und NichtwählerInnen, jung und alt, interessierten und desinteressierten Menschen und haben gelernt, was die Menschen bewegt und wie dies ihre Wahlentscheidungen informiert.

Während unseres Einsatzes haben wir 2.398 Personen angesprochen und mit 1505 von Ihnen Gespräche geführt. Damit lag unsere Erfolgsquote bei 62,7%.

 

Wahlergebnisse Sachsen-Anhalt

Wahlkreis Wahlbeteiligung Bundestagswahl 2017
66 67,1 %
67 68,2 %
68 66,6 %
69 68,4 %
70 69,7 %
71 65,9 %
72 71,0 %
73 68,5 %
74 67,7 %
Der Wahlkreis 71 hat 268,800 Einwohner. Von diesen sind bei der Bundestagswahl 2017 224.494 Wahlberechtigte, von denen sich 65,9%, also etwa 147.942 Personen, an der Wahl beteiligt haben.

Im Vergleich mit den übrigen Wahlkreisen des Bundeslands Sachsen-Anhalt hat der Wahlkreis 71 die geringste Wahlbeteiligung.


 

Entwicklung der Wahlbeteiligung


  • Bundesweit ist die Wahlbeteiligung im Vergleich zu den letzten Bundestagswahlen 2013 um 4,7 Prozentpunkte gestiegen und lag damit 2017 bei 76,2 %.
  • Im Vergleich zum bundesweiten Anstieg ist die Wahlbeteiligung im Wahlkreis 71 mit 6,5 Prozentpunkten überdurchschnittlich stark gestiegen.
  • In der Stadt Nienburg an der Saale, die Teil des Wahlkreises 71 ist, ist die Wahlbeteiligung um 4,3 Prozentpunkte gestiegen.
  • Wahlkreis 68 weist strukturelle Gemeinsamkeiten zum Wahlkreis 71 auf und wird daher zum Vergleich herangezogen. Hier ist die Wahlbeteiligung um 7,7 Prozentpunkte gestiegen.  Damit stieg sie stärker an und ist höher als in unserem Einsatzgebiet.

 

Vergleich mit den Bundestagswahlen 2009 und 2013


  • Bezüglich der Differenz der Steigung der Wahlbeteiligung auf Bundesweiter Ebene und in unserem Einsatzgebiet ist es sinnvoll sowohl die Entwicklungen von 2009 bis 2013, als auch die Entwicklung von 2013 bis zur diesjährigen Bundestagswahl zu vergleichen.
  • Sowohl auf Bundesweiter Ebene, als auch in den von uns beobachteten Wahlkreisen ist die Differenz der diesjährigen Wahl und der Wahl von 2013 deutlich größer als die aufgezeigte Differenz der Wahlbeteiligung von 2009 und 2013.
  • Zu untersuchen gilt nun, wie die Schwankungen der Wahlbeteiligung in den Wahlkreisen Anhalt und Harz sich im Verhältnis zum bundesweiten Ergebnis entwickelt haben.

 

Entwicklung der Wahlbeteiligung Anhalt und Harz

Bundesweit Wahlkreis Anhalt Wahlkreis Harz
Differenz 2009/2013 0,7 1,9 (2,7 mal so hoch wie bundesweit) 2,0 (2,8 mal so hoch wie bundesweit)
Differenz 2013/2017 4,6 6,5 (1,41 mal so hoch wie bundesweit) 7,7 (1,6 mal so hoch wie bundesweit)
  • Abgebildet ist die Steigung der bundesweiten Wahlbeteiligung in Prozentpunkten. Verglichen werden die Bundestagswahlen 2009 und 2013 sowie 2013 und die diesjährigen Wahlen.
    In Verhältnis dazu werden die Steigungen der Wahlbeteiligung im Wahlkreis Anhalt und Harz gesetzt.
  • 2013 betrug die Steigung der Wahlbeteiligung im Wahlkreis 71 1,9%-Punkte und war somit 2,7 mal so hoch wie die Steigung Bundesweit. Dieses Jahr beträgt die Steigung lediglich das 1,4-fache der Bundesweiten Differenz zur Vorwahl. Dies kann damit begründet werden, dass bereits 2013 viele Nichtwähler durch Nischenparteien wie die AfD mobilisiert worden sind.
  • Im Wahlkreis Harz hat sich die Wahlbeteiligung vom 2,8-fachen des Bundesdurchschnitts auf das 1,6-fache reduziert. Dennoch ist die Wahlbeteiligung im Wahlkreis Anhalt, gemessen an dem Verhältnis zum Bundesdurchschnitt stärker zurückgegangen als im Wahlkreis Harz.

 

Ein Vergleich der Stimmverteilung

Partei Bundesweit 2013 Bundesweit 2017 Wahlkreis Anhalt 2013 Wahlkreis Analt 2017 Landtagswahlen Sachsen Anhalt 2016
AfD 4,7 12,6
(7,9)
4,8 22.2
(17,4)
24,3
CDU 34,1
CSU:7,4
26,8
(-7,3)
CSU: 6,2
(-1,2)
41,6 30,7
(-10,9)
29,8
DIE LINKE 8,6 9,2
(0,6)
25,6 17,8
(-7,8)
16,3
FDP 4,8 10,7
(5,9)
2,6 7,5
(4,9)
4,9
GRÜNE 8,4 8,9
(0,5)
2,6 2,4
(-0,2)
5,2
SPD 25,7 20,5
(-5,2)
16,8 13,9
(-2,9)
10,6
Sonstige 6,2 5,0
(-1,2)
10.9 5,6
(-5,4)
8,9
  • Der Stimmanteil für die AfD ist im Vergleich zu den Landtagswahlen innerhalb des Wahlkreises 71 leicht zurückgegangen.
  • Abweichende Werte sind bei den Grünen zu beobachten, welche bei den Bundestagswahlen 2,8 Prozentpunkte weniger Stimmen erhalten haben als bei den Landtagswahlen.
  • Bei den Bundestagswahlen wurde weniger für kleinere Parteien abgestimmt. Der Stimmanteil für kleine Parteien ist um 3,3 Prozentpunkte gesunken.

 

Waren wir erfolgreich darin, die Wahlbeteiligung zu erhöhen?

Im Vergleich mit der Entwicklung auf Bundesebene hat die Wahlbeteiligung im Wahlkreis 71 stärker zugenommen.

Kritisch sehen wir die Entwicklung im Vergleich mit dem Wahlkreis 68. Dieser aufgrund ähnlicher struktureller Daten zum Vergleich herangezogene Wahlkreis weist mit 7,7 Prozentpunkten eine höhere Steigung der Wahlbeteiligung auf als unser Einsatzgebiet.

Die Stadt Nienburg an der Saale haben wir während unseres Einsatzes oft besucht. Hier hat die Wahlbeteiligung um 4,3 Prozentpunkte zugelegt im Vergleich zu 2013, damit liegt sie allerdings noch unter der bundesweiten Entwicklung.

Vorerst lässt sich der positive Effekt des Einsatzes auf die Wahlbeteiligung im Wahlkreis Anhalt nicht in Zahlen nachweisen. Möglich ist, dass verschiedene Faktoren auf die zwei Wahlkreise gewirkt haben und somit eine Gegenüberstellung der Wahlbeteiligung nicht sinnvoll für die Messung der Wirkungskraft des Einsatzes sind. Weitere Effekte neben dem Einsatz des Projekts Denkende Gesellschaft können sein: wahlkreisinterne, politische Konflikte, welche das politische Interesse fördern, mehr Nähe und Präsenz der verschiedenen Kandidaten zu den Bürgern oder mehr Sympathie für die Kandidaten des jeweiligen Wahlkreises.

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